Clean Air in Ports: Workshop in Antwerpen

Am 8. Oktober 2013 fand in Antwerpen/Belgien der zweite Workshop des EU LIFE+ Projektes „Clean Air in Ports“ statt. Mehr als 50 Teilnehmer aus Hafenwirtschaft, Wissenschaft, von Hafenbehörden, NGOs und Behörden der Region Flandern nahmen an der Veranstaltung teil.  Die Antwerp Port Authority war Gastgeber, zudem wurde der Workshop  von „Natuurpunt“, dem belgischen BirdLife-Partner des NABU, unterstützt.

Während des Vormittags wurde in das NABU-Projekt eingeführt sowie das Thema Luftverschmutzung von Schiffen und Häfen und der rechtliche Rahmen vorgestellt. Nach einem Überblick über das von der Europäischen Kommission geförderte EU LIFE+ Projekt verdeutlichte Christer Ågren vom schwedischen Sekretariat für Luftverschmutzung und Klima (AirClim) aus Göteborg den Handlungsbedarf, indem er die Auswirkungen von NOx, SOx, PM und Ruß für Klima und Umwelt erläuterte. Seinem Vortrag folgte die Präsentation des Münchner Toxikologen Prof. Jeroen Buters vom Virtuellen Helmholtz Institut, der das wissenschaftliche Projekt „HICE“ vorstellte, bei dem erstmals lebende Lungenzellen Schiffsabgasen direkt ausgesetzt werden. Zwischenergebnis der laufenden Untersuchungen ist, das die schädigenden negativen Gesundheitsauswirkungen schlimmer sind als ursprünglich angenommen.

Nach der Kaffeepause stellten Vertreter lokaler und regionaler Behörden Maßnahmen zur Reduzierung von NOx und PM10 Emissionen vor. Jasper Wouters von der Abteilung Umwelt, Natur und Energie der Region Flandern präsentierte den regionalen Ansatz im Umgang mit den Einflüssen von NOx und PM10 Emissionen, während Filip Lenders, Chef der Abteilung Energie und Umwelt der Stadt Antwerpen, die Herausforderungen und Maßnahmen aus der Perspektive der lokalen Verwaltung erläuterte. Angesichts zusätzlicher Emissionseinflüsse vom Hafen hat die Antwerp Port Authority einen speziellen Plan für das Hafengebiet entwickelt, der von Luc van Espen, Umweltmanager Technik bei der Antwerpener Hafenbehörde, vorgestellt wurde. Der Veranstaltungsvormittag wurde von Guido de Wilt von der DG Umwelt der EU Kommission abgerundet. Unter anderem gab Herr de Wilt einen Überblick über internationale und europäische Umweltstandards, über die EU Politik zu nachhaltiger Schifffahrt, die laufenden Revision der Richtlinie 2012/33/EC für marines Dieselöl und zukünftige Maßnahmen zur Verbesserung städtischer Luftqualität in europäischen Städten.

Die Nachmittagssitzung wurde durch drei parallele Arbeitsgruppen gestaltet, die den Fokus jeweils auf einen Emittenten legte. Die erste Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit Schiffen und dabei mit den Vor- und Nachteilen von Scrubbern sowie den einzelnen Lösungen und Systemen dieser Technologie. Impulsvorträge wurden von Johan-Ole Svendsen, Fachmann für marine technische Lösungen des finnischen Hersteller Wärtsila Moss AS, sowie von Antoine Kedzierski von Transport & Environment, einer auf Transportthemen spezialisierten NGO mit Sitz in Brüssel, gehalten. Diese Arbeitsgruppe wurde von Guido de Wilt von der EU Kommission moderiert.

Zwei Best-Practice-Beispiele von Terminal-Betreibern wurden in der zweiten Arbeitsgruppe vorgestellt. Hinrich Kötter von der deutschen Fachfirma Terex Port Solutions präsentierte die so genannten Automatic Guided Vehicles (AGV), selbststeuernde, Batterie betriebene Fahrzeuge zum Transport von Containern. Diese werden bereits auf dem HHLA-Terminal in Hamburg und zukünftig sowohl im Rotterdamer Hafen auf dem erweiterten Hafengebiet der „Maasvlakte II“, als auch im Hafen von Los Angeles/USA eingesetzt. Jan Cuppens, technischer Manager beim Terminalbetreiber MSC im Hafen von Antwerpen, stellte das Konzept Wasserstoff/Diesel-betriebener Containertransportfahrzeuge (Straddle Carrier) vor, die auf dem MSC-Terminalgelände bereits eine wichtige Rolle zur Reduzierung von Emissionen spielen. Durch die deutliche Einsparung von Treibstoff tragen beide Modelle zu saubererer Luft im Hafen bei und sind angesichts eines schnellen Return on Investment auch ökonomisch sinnvoll. Diese Arbeitsgruppe wurde von Malte Siegert moderiert, der beim NABU Landesverband Hamburg den Bereich Umweltpolitik betreut.

Wie ein Luftreinhalteplan entwickelt wird, war Thema der dritten Arbeitsgruppe. Unter der Leitung von Christer Ågren von AirClim erläuterten Luc van Espen von der Antwerpener Hafenbehörde sowie Erik de Bruyn von der belgischen Aufsichtsbehörde der Stadt Antwerpen die Bemühungen der Stadt Antwerpen in Bezug auf Rahmenbedingungen im lokalen Umgang mit Luftverschmutzung im industriellen maritimen Cluster.

Die lebhaften Diskussionen nach den Präsentationen der Referenten sowie in allen Arbeitsgruppen des Vormittgas zeigten das große Interesse der Teilnehmer am Thema Luftverschmutzung und den Möglichkeiten zu ihrer reduktion besonders in den Hafenbereichen europäischer Städte.

Die Ergebnisse des Workshops werden in das Working Paper des NABU integriert, welches über die gesamte Laufzeit des EU LIFE+ Projektes „Clean Air in Ports“ bis Mitte 2015 fortgeschrieben wird und hier eingesehen werden kann.

Die Präsentationen und die Tagesordnung des Workshops in Antwerpen können beim NABU runtergeladen werden.

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