Messungen der Ultra-Feinstaubbelastung an Straßen zeigen Spitzenwerte wie in verrauchten Lokalen

Seit Langem warnen Ärztinnen und Ärzte vor den Gesundheitsschäden durch Feinstaub. Je kleiner Feinstaubpartikel sind, umso gesundheitsschädlicher sind sie. Gerade diese kleinsten Feinstaubpartikel PM 0,1 werden aber an den Feinstaubmessstellen nicht erhoben. Deshalb hat der VCÖ in Wien punktuell Messungen von Ultra-Feinstaub mit Luftqualitätsexperten durchgeführt und die Messungen und Ergebnisse in einem kurzen Video zusammengefasst (zum Video).

An stark befahrenen Straßen ist die Belastung mit Ultra-Feinstaub punktuell enorm hoch - auch im Fahrzeug. Wo wenig Verkehr ist, ist die Belastung deutlich geringer. Hauptverursacher der Spitzenwerte sind Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter. In verkehrsberuhigten Zonen und in Nebenstraßen ist die Ultra-Feinstaubbelastung deutlich geringer. Ultra-Feinstaub kann massive Gesundheitsschäden verursachen.

Bei der Präsentation der Ergebnissen fasste Bettina Urbanek von VCÖ zusammen: „An stark befahrenen Straßen ist die Belastung mit gesundheitsschädlichem Ultra-Feinstaub punktuell enorm hoch. Nicht nur für Fußgängerinnen und Fußgänger, sondern auch für die Fahrzeuginsassen“. Die Messungen wurden als Teil der internationale Kampagne „Soothfree for the Climate“ und das von EU-Life mitfinanzierte Projekt Clean Air in Wien gemeinsam mit dem internationalen Experten Press-Kristensen vom Danish Ecological Council durchgeführt. Der Grund für die Messungen: Trotz der großen Gesundheitsschädlichkeit gibt es in Österreich im Gegensatz zu Deutschland und Dänemark für Ultra-Feinstaub (PM0,1) keine Messstationen. 

An verkehrsfernen Orten beträgt die Ultra-Feinstaub Belastung rund 4.000 Partikel pro Kubikzentimeter Luft, beispielsweise im Park Schönbrunn. Die höchste Durchschnittsbelastung am Gürtel war fast 30 Mal so hoch: Am Hernalser Gürtel wurde eine durchschnittliche Belastung von 114.164 Partikel pro Kubikzentimeter Luft gemessen, der maximale Minutenwert betrug sogar 165.631 Partikel. Die Spitzenbelastungen im Straßenverkehr erreichen somit die Dimensionen verrauchter Lokale.

Der VCÖ empfiehlt ein Maßnahmenpaket gegen die Ultrafeinstaub-Belastung. So sind alte Lkw ohne Partikelfilter regelrechte Feinstaub-Schleudern. Erst die modernen Lkw der Klasse EURO 6 weisen einen geringen Ausstoß von Ultra-Feinstaub auf. Deshalb sollte schrittweise das Fahrverbot in den Luftsanierungsgebieten auf alle Lkw ausgedehnt werden, die keinen modernen Partikelfilter haben.

Zudem sind die öffentlichen Verkehrsverbindungen vom Umland in die Städte auszubauen. Mehr Pendlerinnen und Pendler müssen die Möglichkeit bekommen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Städte zu fahren. So sollte im Ballungsraum Wien die S-Bahn ausgebaut werden.

Zudem sind Maßnahmen wichtig, um Fußgängerinnen und Fußgänger vor der Ultra-Feinstaubbelastung des Verkehrs stärker zu schützen. Dazu zählen auch kürzere Rotphasen bei Fußgängerampeln, denn gerade dort, wo die Ultra-Feinstaubbelastung hoch ist, sollten Fußgängerinnen und Fußgänger maximal 45 bis 60 Sekunden auf die nächste Grünphase warten müssen.  Taxiflotten und betrieblichen Fuhrparks sollen verstärkt auf Elektro-Fahrzeuge umgerüstet werden. Umweltmediziner Hutter sagte dazu: „Statt dem üblichen Verantwortung abschieben – beim Feinstaub sind es immer die anderen, die ihn produzieren – braucht es verantwortungsvolles Handeln.“

Weitere Informationen:

zurück