Messungen des NABU zeigen: Hohe Luftschadstoffbelastung in Hafennähe

Hamburg, Du graue Perle!

Im Grunde kann man es schon mit bloßem Auge erkennen: Die tiefschwarzen Abgaswolken, die von Schiffsschloten ausgestoßen werden enthalten jede Menge giftige Luftschadstoffe. Jetzt hat der NABU nachgemessen: In Hafenstädten, an Kreuzfahrtterminals und Uferpromenaden ermittelte der Umweltverband die Konzentration von Feinstaub mittels eines Partikelmessgeräts und verglich sie mit der ortsüblichen, beziehungsweise unbedenklichen Werten. Als vergleichsweise akzeptabel gilt dabei ein Wert von rund 2.500 Partikeln pro Kubikzentimeter Luft. In städtischen Bereichen, etwa Berlin Mitte, kann der Wert schnell das Doppelte betragen, aber in den Abgasfahnen der Schiffe schoss die Belastung auf 250.000 bis 400.000 in die Höhe. Wer sich also häufiger in Hafennähe aufhält oder gar in der Nähe eines Kreuzfahrtterminals wohnt, wie die Anwohner in Rostock Warnemünde, ist regelmäßig hohen Schadstoffkonzentrationen ausgesetzt. Doch die Emissionen beschränken sich keineswegs auf Hafen- oder Küstennähe, vielmehr werden die Abgase bis weit ins Hinterland geweht und wirken sich damit auf die Gesundheit der gesamten Bevölkerung aus. Allein in Europa sterben deshalb schätzungsweise 50.000 Menschen vorzeitig an den Folgen der Abgasbelastung.

Vor allem Feinstaub, Ruß und Stickoxide belasten die menschliche Gesundheit und können Asthma, Demenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder sogar Krebs verursachen. Die Ursache des Problems ist der Einsatz des dreckigen Raffinerieabfalls Schweröl, das als billiger Treibstoff verwendet wird, um die riesigen Maschinen anzutreiben. Der Schwefelanteil, eine Art Gradmesser für die Sauberkeit eines Kraftstoffs, liegt beim Schweröl bis zu 3.500-fach über dem des herkömmlichen Diesels für Pkw und Lkw. Erschwerend kommt im Bereich der Schifffahrt allerdings noch hinzu, dass die Abgase völlig ungefiltert in die Luft geblasen werden. Partikelfilter und Katalysatoren, wie sie in Autos serienmäßig eingesetzt werden, findet man bei Schiffen kaum. Und so stößt ein Kreuzfahrtschiff pro Tag etwa genauso viele Schadstoffe aus wie 5 Millionen Autos. Zudem tragen Rußpartikel deutlich zum Klimawandel bei. Nach CO2 ist Ruß der zweitstärkste Klimatreiber und allein für rund 1 Grad der arktischen Erwärmung verantwortlich. Ein inakzeptabler Zustand!

Um die Menschen vor zu hohen Schadstoffkonzentrationen zu schützen, hat die Europäische Union Grenzwerte für verschiedene Luftschadstoffe festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen. Unter anderem existiert damit auch ein Grenzwert für Feinstaub der Größenordnungen 2,5 und 10 Mikrometer (PM2,5 und PM10), angegeben in Mikrogramm pro Kubikmeter. Entscheidend für die gesundheitlichen Auswirkungen ist aber viel weniger das Gewicht der Partikel, als ihre Anzahl. Denn die großen und damit auch schweren Partikel können vom menschlichen Organismus vergleichsweise gut „gefiltert“ und damit verkraftet werden. Die ultrafeinen Stäube, die aufgrund ihrer geringen Größe so gut wie nichts mehr wiegen, gelangen jedoch über die Lunge in die Blutbahn und bis ins Gehirn, wo sie irreparable Schäden verursachen können. Partikelfilter können diese Partikel fast vollständig aus dem Abgas entfernen.

Daher fordert der NABU zum Schutz von Mensch, Natur und Klima eine Filterpflicht für alle Schiffe sowie den sofortigen Verzicht auf Schweröl.

Hier geht es zur NABU-Kampagne „Mir stinkts!“

Partnerkampagne "Rußfrei fürs Klima"

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