Projekt Clean Air brachte frische Briese in europäische Städte

Das Clean Air Projekt wird im November 2015 beendet. Projektkoordinator Heiko Balsmeyer gibt in diesem Artikel einen kurzen Überblick über herausragende Erfolge des Projektes von 9 NGOs aus 6 EU-Mitgliedsstaaten, in dem Best-Practice im Verkehrsbereich umgesetzt wurde, um die Luftqualität zu verbessern.

2015 ist das letzte Jahr des Clean Air Projektes. Damit ist die Zeit gekommen über das Projekt und seine Erfolge Resümee zu ziehen. Was könnte Experten aus dem Bereich der Luftreinhaltung an dem Projekt besonders interessieren? Das erste wichtige Ergebnis ist die intensive Zusammenarbeit der Partner. 9 NGOs aus 6 EU-Staaten haben sich in ihrer Arbeit unterstützt. Es war sehr beeindruckend, zu verfolgen wieviel Einfluss NGOs im politischen Prozess entfalten können, wenn sie sich gemeinsam fokusieren und konzentrierte Energie in ihre Netzwerke schicken. Ein eindrucksvolles Beispiel war die Kooeration bezüglich der Richtlinie über nationale Obergrenzen für Emissionen (NEC).

Zusätzlich haben alle Partner beharrlich an verschiedenen Maßnahmen gearbeitet, um die Emissionen von Luftschadstoffen im Verkehrsbereich zu vermindern. Das Spektrum reichte dabei von der Nachrüstung von Bussen und Schiffen mit Partikelfiltern und Technologien zur Verminderung von NOx, über die Arbeit in einem juristischen Netzwerk bis zur Förderung des Radverkehrs in Städten. In all diesen Feldern wurden Fortschritte erzielt. Hier eine – sehr knappe – Zusammenfassung:

  • Mit Partner-NGOs in Polen und der Tschechischen Republik hat das Clean Air Projekt immer wieder die Erfolge von Umweltzonen verdeutlicht, um Politiker, Verwaltung, Medien und die Öffentlichkeit zu motivieren diesem guten Beispiel für Best practice zu folgen. Ergebnis dieser Hartnäckigkeit ist der Start der Umweltzone in Prag am 1.1.2016 und die Befassung des polnischen Parlamentes mit einer Gesetzesgrundlage für Umweltzonen. Ein gutes Beispiel für den erfolgreichen Wissenstransfer zwischen den Mitgliedsstaaten.
  • Ein anderer Transfer von Maßnahmen wurde von CEPTA in der Slowakischen Republik organisiert. Fahrlehrer werden dort mit den Methoden des Spritspartrainings vertraut gemacht. Für diese Trainings gibt es ein großes und steigendes Interesse.
  • Fahrzeuge haben im realen Fahrbetrieb einen höheren Schadstoffausstoss als im Labor. Dies wird unter der Überschrift „Real Driving Emissions“ diskutiert. Unser Partner T&E war unmittelbar an der Entwicklung von Lösungsideen beteiligt. In diesem Jahr wurde auf europäischer Ebene beschlossen, zukünftige mobile Messsysteme (PEMS) einzusetzen, damit neue Fahrzeuge in Zukunft Emissionsminderungen auch auf der Straße bringen.
  • Die ungarische Clean Air Action Group (CAAG) ist im engen Kontakt mit der nationalen Regierung und Entscheidungsträgern der Stadt Budapest. Unter anderem konnten sie erreichen, dass das lokale Busunternehmen 350 Busse mit dem höchsten Umweltstandard angeschafft hat. Dies zeigt, dass auch unter schwierigen politischen und finanziellen Bedingungen durch entschlossene Aktion Fortschritte erzielt werden können.
  • Wie viel Interesse glaubwürdige Politik erregen kann zeigte eine Veranstaltung mit dem ehemaligen Bürgermeister von London, Ken Livingston. Die Diskussion mit ihm wurde vom vcö in Wien organisiert, fand großes Interesse und hat eine öffentliche Debatte über das Thema City-Maut angestoßen.
  • Der BUND hat die Verantwortlichkeit für das Thema Binnenschiffe übernommen. Das Projekt Clean Air hat das Thema auf die europäische Ebene gehoben und einige Projekte werden die Datengrundlagen bringen, um politische Maßnahmen beschließen zu könne, um den Sektor sauberer zu machen.
  • Der Umweltverband NABU hat sich den Themen Häfen und Reduzierung der Emissionen von Hochseeschiffen angenommen. Dieser Bereich ist offen für Diskussionen, um die Umweltstandards der Schiffe zu verbessern. Die Veränderungen nehmen langsam Fahrt auf. Erste neue Schiffe werden mit sauberen Technologien ausgeliefert und Maßnahmen in Häfen getroffen. So nahm in Hamburg in diesem Jahr eine LNG-barge den Betrieb auf, die im Hafen Kreuzfahrtschiffe mit Strom versorgen kann, damit die Schiffe ihre Maschinen stoppen können. Die Koalitionspartein haben in Hamburg vereinbart ein eigenständiges Aktionsprogramm zur Luftreinhaltung im Hafen zu erarbeiten. Weitere Maßnahmen können also erwartet werden.
  • Dem Danish Ecocouncil ist es gelungen mit öffentlichen Messungen der Luftqualität eine breite Medienöffentlickeit für Themen der Luftreinhaltung herzustellen. In der Tschechischen Republik, der Slowakischen Republik und in Wien wurden diese Messungen erfolgreich durchgeführt.
  • Das von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) aufgebaute juristische Netzwerk hat in Deutschland einen bahnbrechenden juristischen Erfolg gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschied am 5.9.2013, dass Nichtregierungsorganisationen ein Verbandsklagerecht haben, wenn EU-Umweltrecht in Deutschland nicht eingehalten wird.
  • Das vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD) geknüpfte Netzwerk European Biking Cities hat sechs europäische Vorreiterstädte in der Förderung des Radverkehrs verbunden. Darunter die spanische Stadt Vitoria-Gasteiz. Dort konnte der Radanteil in den letzten drei Jahren von 6,8 auf 12,3% fast verdoppelt werden. Das Netzwerk zeigt, dass schnelle Veränderungen möglich sind und mit mehr Fahrrädern die Luft sauberer und die Städte lebenswerter werden.

Diese kurze Auswahl zeigt den großen Erfolg unserer Zusammenarbeit. Das Projekt endet im November, aber alle beteiligten Organisationen werden weiterhin im Bereich Luftqualität arbeiten. Wenn Sie Interesse haben, mit unserem Netzwerk zusammenzuarbeiten, freut sich der Koordinator des Gesamtprojektes, Heiko Balsmeyer, sehr über Ihre Nachricht.

Let’s clean up the air!